Barth - Lexikon

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Witzlaw III. (um 1265/68 – 8. November 1325, Barth)

Fürst von Rügen, Minnesänger

Witzlaw III. war der Sohn von Witzlaw II. und Agnes von Braunschweig-Lüneburg. Er war zweimal verheiratet, zunächst mit einer nicht weiter bekannten Margarete, nach deren Tod mit Agnes von Lindow-Ruppin. Mit letzterer hatte er zwei Töchter sowie den einzigen Sohn Jaromar.

Bild: Das Siegel Witzlaw III., Durchmesser 8 cm

Witzlaw scheint eine besondere Vorliebe für seine Barther Residenz gehabt zu haben, die er als einen seiner festen Herrschaftssitze ausbaute, wie wir aus der Zahl der hier beurkundeten Akte erfahren.

Als glanzvolle Ereignisse fanden in Barth am 2. September 1324 die Vermählung seiner Tochter Agnes mit Graf Albert von Anhalt und am 15. März 1325 die Verlobung des einzigen Sohnes Jaromar mit Beatrix, der Tochter Heinrichs von Mecklenburg in Anwesenheit des Herzogs statt. Für die Stadt wird das ein wichtiges Ereignis gewesen sein und zeigt uns, daß es hier Räumlichkeiten gab, die den festlichen Ereignissen würdig waren und in denen die sicher zahlreichen und hochwürdigen Gäste bewirtet und beherbergt werden konnten.

Witzlaw III. ist als einziger norddeutsscher Minnsänger und damit als der früheste Vertreter des pommerschen Geisteslebens bekannt. Er hatte früh eine literarische Bildung erhalten. Einer seiner Lehrer war der in Stralsund nachweisbare Dichter Ungelarte, möglichweise Vorsteher einer der Stralsunder Kirchenschulen. Es dürfte anzunehmen sein, daß Witzlaw seine Minnesangdichtungen als rügenscher Prinz verfaßte. Denn nach dem Tod des Vaters 1302 mußte er die Regierungsgeschäfte des Fürstentums führen (bis 1304 gemeinsam mit seinem Bruder Sambor), die für Witzlaw nicht einfach waren. Die Stadt Stralsund war in einem gespannten Verhältnis zu ihrem Landesherrn und trachtete danach, diesem immer mehr Privilegien abzuringen. Als sich Witzlaw anschickte, unterstützt vom dänischen König als seinem Lehnsherrn und weiteren Fürsten militärisch gegen Stralsund vorzugehen, stellte sich der rügensche Landadel geschlossen an die Seite Stralsunds gegen den Fürsten. Witzlaw erlitt 1316 in der Schlacht auf dem Hainholz (heute im Stralsunder Stadtteil Knieper West) eine schmähliche Niederlage und konnte sich nur durch die Flucht retten.

Auch sonst war Witzlaw das Lebensglück nicht gerade hold. Bei einem Streit im Rigaer Dom wurde er von einem Kaufmann niedergestochen, wie es hieß, weil er diesem eine beleidigende Antwort gegeben hatte. Die Folge der Verletzung war eine lebenslange Gehbehinderung.

Ein einschneidendes Ereignis für das Fürstentum Rügen und damit für Barth, trat ein, als Prinz Jaromar etwa 13jährig im Mai 1325 verstarb. Und da der Vater etwa ein halbes Jahr später in seiner Barther Residenz seinem Sohn ohne Erben in den Tod folgte, erlosch damit das in slawischer Zeit wurzelnde Fürstenhaus Rügen. Gemäß einem Erbvertrag fiel das Fürstentum, mit ihm Barth, Darß und Zingst (nach Auseinandersetzungen vor allem mit Mecklenburg im Rügischen Erbfolgekrieg) als erledigtes Lehen zunächst an den dänischen König, dann an den pommerschen Herzog.

Von Witzlaw sind 14 Lieder religiösen Inhalts und solche der Anbetung der Frau sowie 13 Sprüche in der Jenaer Minnesänger-Handschrift bekannt. Dazu zwei Beispiele nach dem Originaltext und in hochdeutscher Übertragung:

Ein lieblich Fest, von hoher Würde begleitet
Hat Minne mir bereitet;
So oft ich denke dieser Pracht
Seh ich ihr Bild in holden Zügen
Im Geist vorüberfliegen,
Es trifft mich ins Herz mit Macht.
Es glänzet so klar als wie die Sonne;
Gibt es Höh‘re Wonne?
Ich wähn‘ ihre Schönheit zwingen könne
Minne, Göttins Macht.

In hoher werde eyn leplich abenture.
tut mir deminne hure.
wen ich denke ir werdicheyt.
Vve nach wnsche wol ghe tan eyn bilde.
vor minen oughen spilde.
de mich andaz hertze sneyt.
Mit ghe welde clar also desunne.
waz ist bezzer wnne.
wen se mit yr scone twinghen kunne.
de delebe treyt.

Bei diesen Worten haben wir die romantische Möglichkeit, daß Witzlaw dies in Barth für seine früh verstorbene Frau Margarete gedichtet hatte.

Aus Witzlaws Schaffen als Spruchdichter stammt dies:

„Nicht anders ist es mir bestimmt,
Es fügt sich so“ – wer das annimmt,
Der bringt es im Leben leicht dazu,
Daß er sich selbst betrüget.
„Bestimmung“ und „Das ist mein Los“ –
Wer‘s sagt ist an Torheit groß,
Sich selbst betrügt er und die Welt;
Dies Wort ist falsch gefüget.

Mir ge schit nicht wen mir scaffen ist.
iz muz nu sin dise list.
de bringhet manighen man dar tzu
dar er sich selben trughet.
Ghe scaffen vn iz muz doch sin.
horet dise torelin.
we se leghen vn der werlt
de wort valsch von yn vlughet.

Lit.: Pyl, Th.: Lieder und Sprüche des Fürsten Wizlaw von Rügen. Greifswald 1872
Jahn, L.: Wizlaw III. von Rügen. Fürst und Minnesänger. Wizlaws Liederbuch. Hofgeismar 2003

 

 

Wackenitz, Philipina Luise
Wallfahrt
Wappen
Wappen der Stadt Barth
Wartislaw IV. (1290 – 1326)
Wasserturm
Wichmann, Matthias
Windflüchter
Witzlaw I.
Witzlaw III.
Wossidlo, Richard
Woytowicz, Monika