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Turmhügel (château à motte, Motte)

Die Turmhügel stellen einen einfachen Typ von Verteidigungsanlagen dar, die aus einem zumeist hölzernen Turmbau auf einem künstlich errichteten Hügel bestehen, der teilweise von einem Graben umgeben ist. Dabei wurde der Aushub zur Aufschichtung des Hügels verwendet. Während größere Anlagen aus mehreren Burgbereichen bestehen, weisen kleinere nur eine erhöhte Turmanlage mit angrenzendem Wohnbereich auf. Turmhügelanlagen waren auch Fluchtburgen während militärischer Konflikte. Als Baumaterial dienten vorwiegend Holz und Erde, vielfach verbunden mit Steinen zur Fundamentgründung oder mit einem steinernen Untergeschoß und einem Turmgeschoß in Fachwerkbauweise, abgeschlossen von einer Kampfplattform.

Die Turmhügel waren in der Regel von einer Burgsiedlung begleitet, aus der sich Dörfer entwickelten.

In unserem Gebiet waren Turmhügel im Mittelalter die Wohn- und Fluchtburgen kleiner lokaler Rittergeschlechter, die das Territorium von Rügen/Pommern gegen feindliche Übergriffe schützen sollten bzw. eine Rolle bei Konflikten zwischen einzelnen Adelsgeschlechtern spielten. Sie entstanden im 13./14. Jh. im Zusammenhang mit der deutschen Besiedlung der alten slawischen Gebiete. Wegen ihrer geringen Verteidigungsfähigkeit spielten sie nur eine zeitlich recht kurze Rolle und wurden mit dem Aufkommen von Schußwaffen seit dem 15. Jh. bald aufgegeben. Einige Anlagen gehen bis in slawische Zeit zurück.

Im Gebiet um Barth befinden sich Turmhügel z.B. in Hessenburg und Pantlitz. Von beiden ist ein kegelstumpfförmiger, von einem Graben umgebener Hügel erhalten. Im Hessenburger Turmhügel residierte um 1300 die Familie von Bughe (erstmals nachweisbar Antonius von Bughe), seit etwa 1350 die Familie von Gristow, eine Nebenlinie des Rügenschen Fürstengeschlechts.

Bild: Rekonstruktion des Hessenburger Turmhügels

 

Tonnenabschlagen
Trebin / Trebbin
Turmhügel