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Kirche Saal

Die Dorfkirche in Saal ist in der Einheit von Baukörper und Ausstattung ein bedeutender Bau der Backsteingotik. Sie präsentiert sich als ein beeindruckender, weit über das Land sichtbarer Bau. Das Mauerwerk erhebt sich über einem Feldsteinsockel, im Osten von einem polygonalen Chor abgeschlossen. Der Bau eines Westturmes wurde durch besonders massive Pfeiler im Innern des Kirchenraumes vorbereitet, doch kam dieser Bau nicht zustande - der Überlieferung nach wegen des nicht tragfähigen Grundes, eher jedoch wohl wegen der nicht tragbaren Kosten des Baues. Der Turm wurde als hoher, separater Holzturm ausgeführt. Neuere Untersuchungen des für den Bau verwendeten Holzes – eine Analyse der Jahresringe durch Tilo Schöfbeck in Schwerin (Dendrochronologie) – führten zu verbesserten Datierungen für die Bauzeit der einzelnen Teile der Kirche.

Der älteste Teil der Kirche ist der bald nach 1285 ausgeführte Chor mit hohen, schlanken, gotischen Fensteröffnungen zwischen schmalen Strebepfeilern. Etwas später wurden beiderseits des Chors Kapellen angebaut, die ursprünglich längsgerichtete Satteldächer trugen, die noch am alten Mauerwerk erkennbar sind. Erst in späterer Zeit wurden die Dächer erhöht und an das Dach des Chors angeschlossen. Die Ostmauern der Kapellen wurden mit Blendfenstern verziert.

Die Mauern des um 1300 errichteten Kirchenschiffes weisen je drei schlichte, spitzbogige Fenster und ein reich profiliertes Portal auf. Infolge des geplanten, aber nicht ausgeführten Westturmes präsentiert sich die Westmauer als monumentale Wand mit vorgesetzten, abgetreppten Strebepfeilern und dem vorbereiteten, jedoch vermauerten Zugang zur Turmhalle.

Am gesamten Mauerwerk sind die bauzeitlichen Gerüstlöcher zum Einsetzen der Gerüstbalken erkennbar.

Der nordöstlich von der Kirche stehende, achtseitige Glockenturm ist aus massiven Balken errichtet, außen verbrettert und im unteren, ausgestellten Teil mit Dachpappe versehen. Die Bäume für die mächtigen Balken, die seine Konstruktion bilden, wurden 1475 gefällt. Damit ist der Turm wesentlich älter, als bisher angenommen. Inschriften über der Tür verweisen auf Renovierungen 1735 und 1828. Die beiden Glocken sind von 1797 und 1820 und wurden von Gottlieb Metzger bzw. Simon Zach, beide aus Stralsund. Im Turm befindet sich ein vermutlich aus der Zeit um 1735 stammendes, schmiedeeisernes Turmuhrwerk mit Gehwerk und Stundenschlagwerk sowie Langpendel. Der Turm wies ursprünglich ein Zifferblatt auf, das zu unbekannter Zeit abgenommen wurde. Vorhanden ist noch die Verbindungswelle vom Uhrwerk zum Zeigerwerk. Das alte, im ursprünglichen funktionalen Zusammenhang erhaltene Turmuhrwerk ist in unserer Region ein bedeutendes technisches Denkmal der Zeitmessung.

Das Kirchenschiff ist ein von massiven Pfeilerpaaren getragene Halle mit Kreuzrippengewölbe, im Chor auf tief angesetzten Dienstbündeln. An den Wänden und Pfeilern finden sich 1958 entdeckte Reste von dekorativer Architekturmalerei aus dem 14. Jahrhundert.

Der in weiß, blau und gold gefaßte Altaraufsatz stammt aus dem frühen 18. Jh. von Dittrich Hartig (Hartich, Harting) in Rostock. Er hat einen architektonischen Aufbau, mit gedrehten Säulen, seitlichen Figuren von Moses und Aaron, einem zentralen Ölbergrelief sowie Christus und Johannes dem Täufer beiderseits eines großen „Auge Gottes“-Motivs, insgesamt mit aufwendigen Akanthusschnitzereien. Im unteren Teil, der Predella, findet sich ein Abendmalsrelief.

Die Kanzel ist aus der selben Zeit und vermutlich ebenfalls von Hartich. Der Korb mit Reliefs der Anbetung, Taufe, Kreuzigung und biblischen Sprüchen wird von einem Posaunenengel getragen, von einem Deckel mit Cherubköpfen und einer Strebekrone abgeschlossen.

Das älteste Objekt ist die Kalksteintaufe aus dem 13. Jh. auf massivem Unterbau mit architektonischem Rundbogenrelief, deren oberer Rand leider in unbekannter Zeit abgeschlagen wurde. Sie gehört also schon zu den ersten Ausstattungsstücken der Kirche.

An der Nordwand befindet sich das Patronatsgestühl der Herren von Schlichtemühl (Hessenburg) mit dem Wappen der Familien von Gentzkow und von Ihlfeld, flankiert durch die Figuren Glaube und Liebe. Die Orgel wurde von Christian Heinrich Kersten (1732–1799) in Rostock hergestellt und hat den originalen, getretenen Blasebalg. Der Orgelprospekt auf der Westwand der dreiseitigen Gemeindeempore stammt aus dem Anfang des 19. Jh.

Im Zusammenhang mit Saal als Sitz eines landesfürstlichen Vogtes mit dem Recht der niederen Gerichtsbarkeit wurde die südliche Vorhalle als Gefängnis eingerichtet, wovon noch heute ein Kettenring im Mauerwerk zeugt. Der Sage nach führt von der Kirche ein geheimer Gang bis zum Bodden, der Klaus Störtebeker als Fluchtweg diente. Ein Teil seines Schatzes soll sich hier befinden, und zum Bau der Kirche spendete er eine große Summe – so heißt es.

In die Fenster des Chors wurden kleine Bildscheiben aus dem 18. Jh., sog. Kabinettscheiben zur Erinnerung an Wohltäter der Kirche eingefügt, teilweise datiert auf 1724.

Bemerkenswert sind die seit einiger Zeit aus konservatorischen Gründen in der Kirche befindlichen Grabstelen aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit interessanten Bildmotiven, wie Kornähren, Amphore, Engel mit Totenschädel und Sanduhr (Bestattungskultur).

Der erste namentlich bekannte Geistliche in Saal war ein Johannes von Saal, der später Kanzler des rügenschen Fürsten wurde, genannt 1286–1296.


Lit.: Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR / Mecklenburgische Küstenregion. Hrsg. vom Institut für Denkmalpflege. Berlin 1990, S. 482f.
Die evangelische Kirche in Saal. Eine Chronik. Kückenshagen 2002

Bilder
1. Die Saaler Dorfkirche, Ansicht von Südosten
2. Der Uhren- und Glockenturm
3. Der Altar
4. Kabinettscheibe für Michel Brumshagen, 1724

 

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