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Kirche, Prerow

Die Seemannskirche Prerow ist die einzige Kirche der Region, die in der Schwedenzeit erbaut wurde. Sie entstand 1726-1728 zunächst als Fachwerkbau, zwischen 1740 und 1830 in Backstein erneuert. Diese Kirche hatte bereits verschiedene Vorgängerbauten, zu der das ausgedehnte Kirchspiel von Born bis (zum heutigen) Zingst und Straminke gehörten.

Die Kirche stellt sich als ein breitgesetzter Bau dar, mit einem westlichen Glockenturm in Holzkonstruktion und einem östlichen Sakristeianbau. Die Süd- und Nordwand ist durch flache Strebepfeiler gegliedert, zwischen denen zweigeteilte Fenster eingefügt sind.

Das Innere der Kirche stellt sich als breiter, heller, dreischiffiger Raum mit verputzter Tonnendecke dar, der im Osten durch den Altar und das Taufgehäuse, insgesamt durch das weiß/blau gehaltene Gemeindegestühl mit breiter u-förmiger Empore bestimmt wird. Auf der Westempore befindet sich die Orgel aus der Stralsunder Werkstatt Nerlich von 1848 (1972 umgestaltet und erweitert).
Der Altaraufsatz von Elias Keßler aus Stralsund aus der Bauzeit um 1726/28 ist ein bedeutendes Kunstwerk des norddeutschen Barock. Er ist ein sog. Kanzelaltar, d.h. die Kanzel als angestammter Ort des Geistlichen während der Predigt ist direkt in den Altar eingefügt, wodurch das so verkündete Wort ein besonderes Gewicht erhält. Nun steht der Geistliche nicht abseits vor dem Altar, sondern direkt im Allerheiligsten, flankiert von Christus, den biblischen Propheten und anderen Gestalten der Bibel, die ihm buchstäblich während seiner Predigt zu Seite stehen.

In der Tat findet der Geistliche in der Prerower Kirche gewichtigen Beistand. Stehen wir vor dem Altar, nimmt die auf zwei geschwungenen Stützen ruhende Kanzel im unteren Teil den größten Platz ein. Das vordere Feld der Kanzel ist mit einem Reliefbild von Jesus geschmückt, das ihn, in ein wehendes Tuch gehüllt, triumphierend neben dem Kreuz stehend zeigt. Links neben der Kanzel sehen wir eine vollplastische Figur des Moses, die Tafeln mit den 10 Geboten in der Hand, links sein Bruder Aaron, der Ahnherr der Priesterschaft des Jerusalemer Tempels. Beide Figuren, die den Pfarrer bei seiner Predigt flankieren, verkörpern das Alte Testament der Bibel.

Die beiden Säulen an der Seite führen den Blick des Besuchers empor. Auf abgestuften Sockeln stehen die Apostel Petrus und Paulus als Repräsentanten des Neuen Testaments. Zwischen beiden spannt sich im Halbkreis ein blauer Himmel, vor dessen Höhe Jesus in der Pose des Weltenherrschers steht, um den Kopf eine große Strahlengloriole, die rechte Hand zur Segnung weit ausgestreckt.

Neben diesem Schmuck weist der Prerower Kanzelaltar eine ganz andersartige, sehr interessante Besonderheit auf, die leicht übersehen wird. Über der Moses-Figur, in Kopfhöhe des Pfarrers, befindet sich eine Sanduhr mit zwei Gläsern. Es handelt sich um eine sogenannte Kanzeluhr, mit deren Hilfe der Pfarrer die Länge seiner Predigt bestimmen konnte. Solcherart Zeitmesser waren einstmals in den Kirchen recht häufig zu finden, gingen jedoch im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte meistens verloren - die Gläser dieser Uhren sind allzu zerbrechliche Gebilde und überdauerten nur selten die Zeit (Zeitmessung).

Südlich vor dem Altar steht das Taufgehäuse von Michael Müller um 1740, ebenfalls aus Stralsund. Es handelt sich um einen aufwendig gestalteten Rundtempel mit Brüstung in durchbrochenem Schnitzwerk, einem Säulenaufbau mit Schalldeckel, bekrönt und geziert durch Figuren des Christus als Weltherrscher, Moses, Aaron, Petrus und Paulus sowie vielgestaltiges, doch zurückhaltend konzipiertes Dekor.

Dem Charakter als Seemannskirche entsprechen die von der Decke herunterhängenden, den Raumeindruck prägenden Schiffsmodelle sowie Schiffe als Relief und Gemälde. Über dem Eingang hängt ein Tafelbild aus dem Jahre 1690, das einzige Objekt aus der Vorgängerkirche, das aus Anlass der Errettung eines Schiffbrüchigen am 13. Dezember jenes Jahres gestiftet wurde. Zu erwähnen ist auch das Pastorenbildnis von Martin Henrici (Hinrichs, 1683-1768), während dessen Amtszeit die Kirche errichtet wurde.

Auf dem Friedhof, an der Süd- und Nordwand der Kirche angeordnet, stehen zahlreiche Grabstelen aus dem 17. bis 19. Jh., zumeist von Seeleuten aus dem Ort. Mit ihrem Schmuck – Schiffe, Kornähren, Amphoren, Engelsköpfen und anderen Symbolen – sind sie unbedingt sehenswert (Vorder- und Rückseite!).

Bilder
1. Die Prerower Kirche im Winter.
2. Der Kanzelaltar von Elias Keßler.
3. Blick nach Westen mit Gemeindegestühl, Empore und Orgel.

Literatur:
Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Mecklenburgische Küstenregion. Berlin 1990; München 1990, S. 471-473

 

 
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