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Kirche, Lüdershagen

Der Ort Lüdershagen wird erstmals am 22. August 1278 in einer Urkunde des Rügenfürsten Witzlaw II., im Zusammenhang mit der Beschreibung der Grenzen der Feldmark Barths erwähnt. Zu dieser Zeit existierte vermutlich bereits die heutige Kirche, die aufgrund von Stilbefunden in die 2. Hälfte des 13. Jh. gestellt wird. Ihre Grundstruktur als zweischiffige Hallenkirche ist ungewöhnlich, wird besonders durch die den Kirchenraum teilenden massiven Säulen deutlich (für Dorfkirchen ist eher ein einschiffiger Bau typisch, für Stadtkirchen oft ein dreischiffiger mit erhöhtem Mittelschiff und jeweils nördlich und südlich ein Seitenschiff). Die Kirche hat eine Länge von 3 Jochen (Einheiten der Baugliederung), dazu im Osten einen zweijochigen Chor mit polygonalem Abschluß und im Westen einen auf einem massiven Unterbau ruhenden Turm von (heute) # m Höhe. Während der Turmunterbau aus der frühen Bauzeit stammt, entstand die Spitze des ursprünglich sicherlich viel höher aufragenden gotischen Turmhelms erst 1909#. Der Chor hat jeweils im Norden und im Süden einen Anbau, ersterer als Sakristei, letzterer als Gruft genutzt und mit einigen Särgen bestellt.

Der gotische Stil der Kirche äußert sich am Baukörper in der deutlichen Betonung vertikaler Strukturen, z.B. den hohen, schmalen, paarigen Lanzettfenster und den ebenso gestalteten Blendfenstern an der Ostwand des Langhauses über dem Chor. Beachtenswert sind im Innern die Kreuz- und Sternrippengewölbe.

An mehreren Stellen sind Malereien aus dem 14. Jahrhundert zu sehen, die erst 1959 freigelegt wurden. Sie zeigen u.a. Christus als Weltenrichter, den Teufel mit Verdammten, Christophoros sowie verschiedene männliche und weibliche Heilige.

Bemerkenswert sind die zumeist aus der Mitte des 17. Jh. bis zum Anfang des 18. Jh. stammenden Kabinettscheiben in den Chorfenstern, die von Lüdershäger Familien stammten, die sich – vermutlich nach größeren Spenden für die Kirche – auf diese Weise verewigen durften. Zu erkennen sind mehrere Namen, (Fantasie-) Wappen, Reiter, Schiffe u.a. Mehrere Scheiben tragen das Datum 1656 und belegen, daß es so kurz nach dem 30jährigen Krieg mit dem Dorf bereits wieder aufwärts ging.

Von der ursprünglichen gotischen oder später der barocken Ausstattung ist wenig erhalten, so der aus dem 14. Jahrhundert und wohl zur Erstausstattung der Kirche gehörende Taufstein. 1849 wird die Orgel von Karl-August Buchholz in Berlin (vgl. Barth) eingebaut, die wegen der Zweischiffigkeit der Kirche zweigeteilt ist; sie wurde 2008 komplett restauriert. In den Jahren 1863 bis 1866 bekommt die Kirche ihre heutige neugotische Ausstattung.

Links vor dem Altar befindet sich das Patronatsgestühl, darüber zwei Pastorenbildnisse aus dem 18. Jh. (Blasius und Joachim Rütz).

Als erster Geistlicher wird 1348 der Pleban Heinrich erwähnt. Die Kirche wird sicherlich zusammen mit Barth 1534 evangelisch (Johannes Block).

Vor dem Südportal liegt eine Trogmühle, der Stein einer alten Getreidemühle, manchmal irrtümlich als heidnischer Opferstein bezeichnet. Auf dem Friedhof sind einige Grabstelen aus dem 18. und frühen 19. Jh. mit typischen dekorativen Darstellungen sehenswert (Vorder- und Rückseiten beachten).

Die Kirche steht auf einem kleinen künstlichen Hügel, umgeben von einer Feldsteinmauer und bildet mit dem aus dem Jahre 1740 stammenden alten Pfarrhaus ein beeindruckendes Bauensemble. Schon von weitem ist der Turm als eine Landmarke zu sehen.

Bilder
1. Ansicht der Kirche von Osten.
2. Heiligenfigur, Malerei an der Südwand, 14. Jh.
3. Wappenscheibe, Ilsebe Malchow, 1656

 

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