Barth um 1320
Bald nach Gründung der Stadt (1255) wird vor dem "Langen Tor" eine Leprosen-Station eröffnet. Wie vor vielen tausend anderen Städten Europas
muß auch vor der Barther Stadtmauer ein solches "Auffanglager" für die Aussätzigen geschaffen werden. Lepra und andere ansteckende und damals unheilbare Krankheiten machen dies erforderlich. Etwa 1390 erwähnt die
Chronik eine zu diesem Hospital gehörende Kapelle und einen Friedhof. Viele solcher Einrichtungen sind dem Hl. Georg, dem „Drachentöter“ geweiht. So auch in Barth. Über die Jahrhunderte wird das Hospital auch mit der niederdeutschen Namensbildung von Georg, also „St. Jürgen“ benannt. In der kath. Glaubenstradition gilt der heilige Georg als Schutzpatron für Kranke und Siechenhäuser, für Soldaten (Lebensgefährdung) und für einige Staaten und Königshäuser (z.B. England).
Sankt Georg um 1800
Die Kapelle wird mehrfach umgebaut. Vermutlich nach teilweiser Zerstörung bleibt nur der Chorraum der Kapelle erhalten, wenn auch dort das mittelalterliche Deckengewölbe durch eine hölzerne Decke ersetzt werden
musste. Das Langhaus wird mit einem neuen, tiefer liegenden Dachstuhl ohne
Turm und mit Stubenfenstern versehen, nachdem in Fachwerktechnik Wohnkammern
eingebaut wurden. Bis 1985 wird St. Georg Barth als Wohnstätte und
gleichzeitig als Gottesdienstort genutzt.Der St. Georgs-Friedhof ist schon
um 1820 stillgelegt worden.
Sankt Georg um 1990
Seit einigen Jahren steht die "Alte Kirche St. Georg", so wird sie genannt,
leer und verfällt zusehens. Viele andere mittelalterliche Hospitäler sind
verschwunden: weil sie außerhalb der Stadtmauern liegen und weil auch
Krankheiten wie die Lepra verschwunden oder heilbar sind. Auch in Barth ist
nur noch die ehemalige Kapelle erhalten.
Heute: Niederdeutsches Bibelzentrum St. Jürgen
In den Jahren 1998 bis 2001 kann die sanierungsbedürftige St. Georgs-Kapelle restauriert werden.
Die Rettung des historischen Gebäudes ist dem Umstand zu verdanken, dass
eine lange geplante Ausstellung zur Bibel hier realisiert wird. Der
Pommernherzog Bogislaw XIII. hatte während seiner Residenzzeit (etwa 1570 -
1600) in Barth einen Verlag mit Druckerei betrieben. In seiner „Förstliken
Druckerye“ entsteht der erste vollständige Bibeldruck für das damalige
Pommern. Diese „Barther Bibel“ (1584-88) ist eine niederdeutsche Übertragung
des Luthertextes. Unter zahlreichen Kunstschätzen aus der Stadtkirche St.
Marien, die hier gezeigt werden, ist sie das Herzstück der Ausstellung rund
um die Bibel. Wegen des Engagements für das Niederdeutsche entscheiden sich
die Verantwortlichen für "Georgs" plattdeutsche Namensvariante "Jürgen".
Erlebnisausstellung rund um die Bibel
Der mittelalterliche Kirchenraum mit seinen Wandmalereien und das zu
Wohnkammern ausgebaute Kirchenschiff ist als historischer Ort selbst schon
Ausstellung.
Auf drei Ebenen mit 660 qm Ausstellungsfläche (Fahrstuhl vorhanden) ist St.
Jürgen darüber hinaus gleichzeitig Museum, Galerie und Lernort.
Begegnungen:
- von der Stadt- und Regionalgeschichte bis zu ethischen Fragen heute
- vom Papyrus bis zur „kleinsten Bibel der Welt"
- von der „Gutenberg-Presse“ bis zur Multimedia-Darstellung zu Adam und Eva
Auch der Bibelgarten lädt zur Besichtigung ein.
Zusätzlich bietet das NBB:
- Schulkooperativen Unterricht (für alle Schultypen und Klassenstufen) für Schulklassen u. Lerngruppen in Deutsch, Geschichte, Religion,
Philosophieren, Kunst, Musik, Sozial-, Sach- und Heimatkunde
- Schulprojekttage
Fächerübergreifende schulische Erlebnistage zur Bibel als europäischem
Kulturgut und zu anderen Themen
- Jugendbegegnungen
Kinder- und Jugendcamps auf dem Gelände des NBB mit Zeltübernachtung
- Erwachsenenbildung
Schulinterne Lehrer-Fortbildung, Kurse, Seminare, Symposien (in Kooperation
mit Schulen, Schulämtern, Volkshochschulen, Kirchengemeinden, anderen
Bildungsträgern ...
- Kulturelle Veranstaltungen
Lesungen, Kino-Abende, Musik in St. Jürgen
- Urlaubsmöglichkeit
eine Ferienwohnung (60 qm) und ein Gästezimmer (28 qm)
Zum Projekt gehören
- ein Areal (4000 qm) mit Bibelgarten, Bildungshaus und Campmöglichkeiten
für Jugendgruppen
- moderne Räume und Medien für die Bildungs- und Kulturarbeit
- der Bibelgarten mit biblischen Pflanzen, Klosterpflanzen,
Heiligenverehrung, Gewächsen mit biblischen Namen
- der Laden (Bibel-Literatur, Karten, Sämereien, Karten, Souvenirs)
Das Bibelzentrum ist eine Einrichtung der gemeinnützigen "Pommerschen
Bibelgesellschaft" e.V.
Es wird finanziell gefördert durch:
- Landkreis NVP
- Land MV
- Pommersche Ev. Kirche
- Ev. Luth. Kirche Mecklenburgs u.a.
Am Aufbau des Projektes hatten sich die Stadt Barth, der Landkreis NVP, das
Land MV, die Bundesrepublik Deutschland, kirchliche Institutionen und
Stiftungen beteiligt. |